• Dr. Tomas Buchhorn (SR/R)

Kompetenzzentren

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Konservative Therapie
Das akute Sprunggelenksdistorsionstrauma wird nach dem RICE-Schema (Rest, Ice, Compression, Elevation) behandelt. Belastet und bewegt wird schmerzadaptiert. Eine Vollbelastung sollte erfolgen bei allen schwereren Verletzungen unter Mitbeteilung von den drei Bändern, welche bei axialer Belastung eine tragende Rolle spielen: Lig. deltoideum, Syndesmose und das Spring-Ligament.

In den ersten 48 Stunden sollte die Analgesie, Abschwellung mittels Entlastung, Hoch-lagerung sowie Cryo und Kompression im Vordergrund stehen. Ab dem 2. Tag dann Ruhigstellung in einer Orthese. In der dritten Phase, also ab dem 8. Tag, Beginn mit Propriozeptionstraining, Gelenkmobilisation, Kräftigungstraining zunächst im Stabilschuh, nach ca. sechs Wochen haben die Bänder ihre Reißfestigkeit zu 60 – 70 % wieder erlangt. Wird die entsprechende konservative Therapie mit einer Orthese, welche neben der Pro- und Supination auch die Rotation einschränkt, kombiniert mit Physiotherapie für mindestens sechs Wochen, kann in ca. 90 %  ein Resultat ohne weitere Instabilität oder Schmerz erreicht werden. Viele Autoren konnten zeigten, dass ein Propriozeptions-, Koordinations- und Stabilitätstraining die Entstehung einer chronischen Instabilität auf dem Boden wiederkehrender Distorsionen verhindern kann.

Operative Therapie
Eine operative Therapie sollte erfolgen bei

a) ossären Bandausrissen
b) intraartikulären Zusatzläsionen und
c) möglichst schnelle Funktionsaufnahme im Spitzensport.

Die chronische Sprunggelenksinstabilität kann, wie bereits beschrieben, teilweise funktionell kompensiert werden. Sind aber konservative Maßnahmen, wie Physiotherapie mit Propriozeptionstraining und Stärkung der Pronatoren über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten nicht erfolgreich, müssen chronische Sprunggelenksinstabilitäten häufig operativ angegangen werden.

Die Indikation zur Rekonstruktion des lateralen Bandkomplexes wird gestellt bei chronischen Schmerzen und Instabilitätsgefühl, bei anterolateralem Impingement oder rezidivierenden Distorsionen, bei denen die konservative Therapie erfolglos war .

Ist genügend ortsständiges Bandmaterial vorhanden, dann kann die sog. modifizierte anatomische Anker-Technik verwendet werden. Hierbei wird ein Anker in der Fibula anatomisch so platziert, dass der biomechanisch einwandfreie Bandverlauf rekonstruiert werden kann.

Beim Fehlen von Bandmaterial sind Bandplastiken mit autologen Sehnen indiziert. Hier sollte grundsätzlich die anatomische Rekonstruktion verwendet werden. Eine freie Semitendinosussehne wird dabei anatomisch entsprechend dem Verlauf von LFTA und LFC zur Rekonstruktion eingebracht. Die Semitendinosussehne zeigt eine deutlich höhere Reißfestigkeit gegenüber anderen Transplantaten (Peronealsehne, Periost) und es können damit gute Resultate erzielt werden.

Ist der mediale Bandkomplex betroffen, ist die konservative Therapie bei alten Bandverletzungen wenig erfolgreich. Der Erfahrung nach muss eine Raffung des Deltoid und des Spring-Ligamentes durchgeführt werden. Der Malleolus medialis wird angefrischt und das Band ebenfalls in modifizierter Anker-Technik rekonstruiert und reinseriert. Bei insuffizientem Gewebe kommt eine autologe Sehnen-Graft-Rekonstruktion in Frage (freie Semitendinosussehne). Nur ein geringer Anteil der Patienten benötigt eine Rückfußkorrektur mit Raffung der Tibialis-posterior-Sehne oder/und eine mediale Fersenverschiebe- oder laterale Verlängerungsosteotomie des Calcaneus.
 
Die Arthroskopie des Sprunggelenkes (PDF, 5.7 MB)

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