• Dr. Alexander Schütz (SR/R)

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Morbus Dupuytren

Allgemein
Beim Morbus Dupuytren (M. Dupuytren) handelt es sich um eine krankhafte Veränderung der bindegewebigen Hohlhandplatte (Palmaraponeurose, s. Bild).

Durch die knotigen und strangartigen Veränderungen entwickeln sich bindegewebige Verkürzungen, die zu einer zunehmenden Einziehung der Finger führt. Die Beugesehnen bleiben im Übrigen unbeeinträchtigt, sie verkürzen sich nicht. Oftmals ist die Erkrankung familiär gehäuft, Männer sind 7-mal häufiger als Frauen betroffen. Die Erkrankung verläuft gerne schubweise. Da die Ursache in einem veränderten Kollagenstoffwechsel und bisweilen auch einer gestörten Syntheseleistung der Leber liegen kann, kommt es in einigen Fällen (ca. 10-15%) trotz erfolgreicher Operation zu einem erneuten Auftreten der Erkrankung (Rezidiv). Dennoch gibt es klare Indikationen, wann eine Operation sinnvoll ist. Dies ist bei druckscherzhaften Knoten und einer zunehmend verringerten Streckfähigkeit der Finger der Fall (s. Bild).

Behandlung
Zu Beginn können Dehnübungen in Eigenregie sinnvoll sein. Eine Bestrahlung der Hand wurde bisweilen vorgeschlagen, ist allerdings unserer Meinung nach nicht Erfolg versprechend. In Ausnahmefällen können isolierte Stränge mittels percutaner Nadelfasziotomie behandelt werden. Dabei wird, ohne die Haut mit dem Skalpell zu eröffnen, der Dupuytrenstrang mit einer Spritzennadel durchtrennt. Bei gegebener Indikation (s.o.) sollte die Operation erfolgen.

Operation
Die Operation wird in der Regel ambulant in Teilnarkose (intravenöser Regionalanästhesie im Anfangsstadium) oder einer Vollnarkose bei fortgeschrittenem Befall, erfolgen. Bei der Operation wird das erkrankte Bindegewebe radikal entfernt. Die Fingernerven und Blutgefäße werden sorgfältig geschont und aus den Dupuytrensträngen z.T. mikrochirurgisch gelöst. Sollte es in Folge der Erkrankung bereits zu einer Gelenkeinsteifung gekommen sein, werden die betroffenen Fingergelenke ebenfalls operativ gestreckt.  

Nach der Operation
Sofort nach der Operation dürfen die Finger wieder voll gebeugt und gestreckt werden. Falls erforderlich erhalten sie krankengymnastische Unterstützung. Sollten Drainagelaschenerforderlich gewesen sein, werden sie am ersten Tag nach der Operation entfernt. Eine Schienenanlage zur Ruhigstellung ist in der Regel nicht erforderlich. Die Fäden werden nach 10 – 14 Tagen entfernt. Bei körperlich belastenden Berufen und aufwändigen Operationen kann eine Arbeitsunfähigkeit bis zu 4 Wochen erforderlich sein. Körperlich nicht belastende Berufe können bei wenig aufwändigen Eingriffen ggf. bereits in der 1. Woche nach Operation wieder ausgeübt werden.
 

Alternative Operationsverfahren

 
Perkutane Nadelfasziotomie
Bei diesem Verfahren wird in einer örtlichen Betäubung der Dupuytrenstrang mit einer Nadel durchtrennt. Unmittelbar nach der Operation kann der Patient seine Hand wieder voll einsetzten. Da kein Schnitt gesetzt wird, ist auch keine Fadenentfernung nötig. Der krankheitsbedingte Ausfall beträgt in der Regel nur einen Tag. Da der Dupuytrenstrang jedoch nicht entfernt, sondern nur durchtrennt wird muss mit einem sehr hohen Wiederauftreten der Erkrankung gerechnet werden.

Lysetherapie (Collagenase)
Dieses sehr moderne Therapieverfahren wird derzeit nur an ausgewählten Zentren in Deutschland angeboten. Wir führen diese Therapie erfolgreich seit Dezember 2011 durch. Ähnlich der perkutanen Nadelfasziotomie (s.o.) ist keine eigentliche Operation erforderlich. Der Dupuytrenstrang wird ebenfalls mit einer Nadel punktiert und dabei eine Flüssigkeit (Collagenase) in den Strang gespritzt. Diese führt zu einem Auflösen des Dupuytrenstrangs, so dass dieser am Folgetag aufgedehnt werden kann (Chord Breaking). Dieses Verfahren birgt Risiken, wenn die Flüssigkeit nicht exakt in den Strang appliziert wird. Daher wird von der Herstellerfirma ausdrücklich empfohlen, diese Therapie nur von erfahrenen Handchirurgen durchführen zu lassen.

Operation eines M. Dupuytren:
das erkrankte Gewebe wird entfernt
(*Dupuytrenstrang)
Das Gefäß-Nervenbündel (*)
muß geschont werden
Injektion von Collagenase in
den Dupuytrenstrang
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