• Priv.-Doz. Dr. Stefan Fickert (SR/R)
  • Dr. Frank Schneider (BER)

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Hüftdysplasie

Einleitung
Durch Fortschritte in der Diagnostik und neue Einsichten in die Krankheitsentstehung hat sich die Therapie von Hüfterkrankungen gewandelt. Musste der Arzt früher den Patienten auf das künstliche Hüftgelenk vertrösten, stehen heute bei einzelnen Hüfterkrankungen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die das künstliche Gelenk hinausschieben, wenn nicht sogar verhindern können. Wir möchten Ihnen nachfolgend die Hüftdysplasie, eine häufige Erkrankungen und ihre Behandlung vorstellen.

Was ist die Hüftdysplasie?
Die Hüftdysplasie ist eine meist im Säuglingsalter erworbene Reifungsstörung des Hüftgelenkes. Diese Reifestörung kann sich in unterschiedlichen Schweregraden manifestieren, von milden bis schweren Formen, wie z.B. die Hüftausrenkung (Luxation). Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.

Wie entsteht die Hüftdysplasie?
Durch die Reifungsstörung wird die Hüftpfanne häufig zu klein und zu steil angelegt, so dass das Hüftpfannendach den Hüftkopf nicht umschließt, sondern diesen nur unzureichend überdacht. Das Wesen der Hüftdysplasie ist dann die Überlastung der steil stehenden Hüftpfanne, so dass der Pfannenrand beschädigt und alsbald der Hüftknorpel abgerieben wird.

Durch die konsequente und frühe Erfassung dieser Erkrankung mit der Ultraschalluntersuchung unmittelbar nach der Geburt konnte die frühe Behandlung erfolgreich realisiert werden. Trotz dieser Fortschritte können bei einzelnen Patienten Entwicklungsstörungen der Hüfte verbleiben.

Welche Beschwerden werden bei der Dysplasie der Hüfte beklagt?
Besteht die Dysplasie weiter, manifestiert sie sich schon im jungen Erwachsenenalter als belastungsabhängiger Hüft- und insbesondere Leistenschmerz. Die Schmerzen sind Ausdruck einer Überlastung des Hüftgelenkes, die unbehandelt in einer Arthrose mündet; man nennt dieses Krankheitsbild Dysplasiecoxarthrose. Die Abnutzung des Hüftgelenkes tritt dann meist sehr früh, zwischen dem 2. und 4. Lebensjahrzehnt, auf.

Wie kann die Hüftdysplasie behandelt werden?
Da die Ursache der frühen Arthrose in der Steilstellung der Hüftpfanne liegt, muss diese Fehlstellung korrigiert werden. Die Therapie besteht somit in der korrekten Einstellung der Hüftpfanne über dem Hüftkopf. Dazu wird der Knochen um die Hüftpfanne durchtrennt, die Pfanne gedreht und korrekt über dem Hüftkopf eingestellt. Die Pfanne wird dann mit Schrauben in der neuen Position fixiert und heilt üblicherweise nach 6–8 Wochen in dieser neuen Position ein. Eine Korrektur der Stellung des Hüftkopfes ist selten erforderlich. Die Operation ist technisch schwierig und dauert etwa 2-3 Stunden. Eine präoperative Eigenblutspende ist meist nicht notwendig.

Stationärer Aufenthalt und Nachbehandlung
Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus beträgt rund ein bis zwei Wochen. Die Entlassung kann geplant werden, wenn der Patient sicher an Unterarm- Gehstützen Treppen steigen kann. Normalerweise kehrt der Patient für die ersten 4-6 Wochen nach Hause zurück. In dieser Zeit ist die Teilbelastung an Unterarmgehstützen notwendig, Ziel der regelmäßigen physiotherapeutische Behandlung ist die Verbesserung der Mobilität. Nach einer ärztlichen Kontrolle mit Hilfe eines Röntgenbildes wird die knöcherne Heilung des Beckens überprüft und der Übergang zur Vollbelastung besprochen. In den folgenden Wochen wird durch durch intensive krankengymnastische Therapie die Muskulatur wieder gekräftigt und Bewegungsabläufe verbessert, gegebenenfalls ist auch eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme notwendig.

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