• Priv.-Doz. Dr. Stefan Fickert (SR/R)
  • Dr. Frank Schneider (BER)

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Das Labrum acetabulare - Hüftgelenkslippe

Was ist das Labrum acetabuli (Hüftlippe)?
Das Labrum acetabuli ist ein derber Faserring, welcher die knöcherne Hüftpfanne zirkulär umschließt. Es hat mehrere Funktionen:

1. Vergrößerung der Gelenkoberfläche,
2. Schutz des freien Knorpelrands als eine Art Dichtungsring,
3. Lubrikation (Schmierfunktion).

Das Labrum ist von sensiblen Nerven durchzogen, die Informationen über das Gelenk an das Gehirn melden. Verständlicherweise ist daher die Verletzung der Gelenklippe schmerzhaft.

Was sind die Ursachen einer Verletzung der Gelenklippe (Labrumläsion)?
Verschiedene Veränderungen führen zu einer Labrumläsion:

  • Störungen des Kopf- Schenkelhalsübergangs
  • Störungen der Gelenkpfanne
  • Hüftdysplasie

Bei einer Störung des Kopf-Schenkelhals-Überganges führt die forcierte Beugung zu einem frühen und verstärkten Kontakt, daher kann das Labrum mit der Zeit beschädigt werden. Am Anfang bilden sich oberflächliche Risse aus, die sich bei wiederkehrender Belastung vergrößern und dann eine vorzeitige Alterung der Lippe (Degeneration) nach sich ziehen. Nicht nur die Gelenklippe ist dabei betroffen, sondern auch der Knorpel. Denn in der Folge führt die Ablösung des Labrums vom Pfannenrand zu einer Freilegung des Knorpels der Hüftpfanne, der damit vermehrten Scherkräften ausgesetzt ist (Abbildung). Der Knorpel wird beschädigt und verfrüht abgenützt, es entsteht eine Hüftarthrose.
 

Arthroskopisches Bild, Labrum von peripher
gesehen
Arthroskopisches Bild, Labrumeinriß von
peripher gesehen mit Tasthaken
Arthroskopisches Bild, Labrumauffaserung
bei Arthrose
Arthroskopische Bilder, Teilentfernung des
Labrums mit off-set Operation
Arthroskopische Bilder, anterolateraler Labrumeinriß
vor und während Glättung von zentral gesehen

Welche Beschwerden werden bei Labrumverletzungen beklagt?
Bei bestimmten Bewegungen werden einschießende Leistenschmerzen beklagt, die als stechend oder einklemmend beschrieben werden. Die Beschwerden sind meist belastungsabhängig und können langfristig den normalen Bewegungsumfang des Hüftgelenkes beeinträchtigen. Die Beschwerden werden lange Zeit fehlinterpretiert, was darauf zurückzuführen ist, dass die Symptomatik bei Labrumverletzungen in manchen Fällen schwer von Leistenbeschwerden zu unterscheiden sind.

Wie wird eine Labrumläsion diagnostiziert?
Rotationsbewegungen des Beines führen bei der klinischen Untersuchung zu Beschwerden. Auch ein positiver Schmerzprovokationstest (Hüftbeugung, Innendrehung und Anspreizung) weist auf einen Schaden der Gelenklippe hin. Wegweisend in der Abklärung ist die Kernspintomographie des Hüftgelenkes mit Kontrastmittel (Arthro- MRT), dabei wird das Kontrastmittel in das Hüftgelenk eingespritzt. In der Arthro- MRT kann zwischen den verschiedenen Stadien der Labrumverletzung unterschieden werden. Normale Hüftgelenklippen stellen sich im MRT als Dreieck dar und sind signalarm. Geringgradige Labrumveränderungen zeigen im MRT eine Signalanhebung im Zentrum des Labrums, ohne dass eine Beziehung zur gelenkseitigen Labrumoberfläche besteht, was einer Degeneration entspricht. Im Unterschied dazu weisen hochgradige Labrumveränderungen eine komplette Unterbrechung der Labrumstruktur auf. Dies entspricht meist einer vollständigen Ablösung der Gelenklippe vom Pfannenrand.

Die operative Behandlung der Labrumläsion
In den meisten Fällen können schmerzhafte Labrumläsionen nur mit einer Operation behandelt werden. Dabei verfolgt die Operation das Ziel den einschießenden Hüftschmerz, welcher durch den Riss des Labrums verursacht wird, zu beheben.

Die überwiegende Anzahl der Verletzungen der Gelenklippe lassen sich im Rahmen einer Hüftarthroskopie und damit schonend behandeln. Grundsätzlich kann die Gelenklippe entfernt oder wiederhergestellt werden. Die Vorgehensweise ist abhängig vom Ausmaß der Gelenklippenläsion und der Qualität des verbliebenen Labrums.

Stationärer Aufenthalt und Nachbehandlung
Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus beträgt meist wenige Tage und ist abhängig von Schwellungszustand und Mobilität des Patienten. Die Nachbehandlung richtet sich nach dem durchgeführten Eingriff. Bei wiederhergestelltem Labrum ist zurückhaltender nachzubehandeln als bei entfernter Gelenklippe oder Labrumglättung, da die wiederhergestellte Lippe erst am Pfannenrand einheilen muss. Unmittelbar nach dem Eingriff hat die Nachbehandlung das Ziel den Patienten möglichst zügig an Unterarmgehstützen zu mobilisieren, manchmal kann dazu eine Bewegungsschiene hilfreich sein. Mit teilentfernter Gelenklippe oder Lippenglättung kann schmerzabhängig rasch zur Vollbelastung übergegangen werden, auch sind keinerlei Bewegungseinschränkungen notwendig. Bei wiederhergestellter Lippe sollte 4-6 Wochen teilbelastet werden, meist ist es notwendig die Bewegungsfähigkeit über diesen Zeitraum einzuschränken.

Zusammenfassend ist die Mobilisation und Aktivität nach dem Eingriff abhängig vom durchgeführten Eingriff, daher erhält jeder Patienten ein individuell abgestimmtes krankengymnastisches und physiotherapeutisches Übungsprogramm.

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