• Prof. Dr. Peter Angele (SR/R)
  • Dr.  Heinz-Jürgen Eichhorn (SR/R)
  • Prof. Dr. Michael J. Strobel (SR/MUC)
  • Dr. Frank Schneider (BER)
  • Prof. Dr. Andreas Weiler (BER)
  • Dr. Michael Wagner (BER)
  • Dr. Arno Schmeling (BER)
  • Priv.-Doz. Dr. Thore Zantop (SR/R)
  • Priv.-Doz. Dr. Sven Scheffler (BER)
  • PD Dr. Bernd Preininger (SR/R)
Fachbereiche | Knie | Arthrose

Arthrose des Kniegelenkes

Arthrose des Kniegelenkes

Die drei Säulen der Therapie
der Arthrose des Kniegelenks

Die Behandlung der Arthrose des Kniegelenks ist auf die drei Säulen "nicht medikamentöse Behandlung", "medikamentöse Behandlung" sowie "operative Behandlung" gestützt. Die Therapie sollte sich immer langfristig orientieren, kann mehrere Behandlungskonzepte gleichzeitig beinhalten, ist individuell auf den Patienten zugeschnitten und an seinem aktuellen Krankheitszustand orientiert.

Die Arthrose kennt mehrere Schmerzursachen und daher auch mehrere Therapieansätze. Zum einen kann der Schmerz durch eine Entzündung der Gelenkinnenhaut oder durch die Dehnung der Gelenkkapsel, zum anderen aber auch durch Schleimbeutelentzündungen und Muskelverspannungen entstehen.

Arthrose - Konservative Therapie

Arthrose - Konservative Therapie

Gesundes Kniegelenk
Kniegelenk mit Arthrose

Für die konservative Therapie der Arthrose stehen die Therapie ohne Medikamente, die Therapie mit Medikamenten sowie die intraarticuläre Injektionstherapie (Spritzen in das Kniegelenk) zur Verfügung.

Für die nicht-medikamentöse Therapie stehen die Physiotherapie und orthopädische Hilfsmittel, wie Einlagen, weiche Fersenpuffer, sowie Gehstöcke zur Verfügung, um eine Entlastung des Gelenkes zu erreichen. Bei Achsfehlstellungen des Beines kann über eine Schuhaußenranderhöhung bei O-Bein-Arthrose, sowie eine Schuhinnenranderhöhung bei X-Bein-Arthrose eine Entlastung des betroffenen Gelenkanteils erzielt werden.

Durch eine unter ärztlicher Führung durchgeführte Gewichtsabnahme konnte eine Steigerung der Mobilität und auch des psychischen Wohlbefindens bei Arthrosepatienten belegt werden.

Die Akupunktur zielt in erster Linie auf eine Minderung des subjektiven Schmerzempfindens. Über diesen Mechanismus konnten auch Verbesserungen der Knie- und Hüftgelenksfunktion bei Arthrosepatienten gezeigt werden.

Die Kryotherapie (Kältetherapie) wird häufig bei einer aktivierten Arthrose (Entzündung und Gelenkerguss) in Verbindung mit Physiotherapie eingesetzt. Es wirkt als ein lokales Schmerzmittel durch die Senkung des Muskeltonus und die Erhöhung der Schmerzschwelle.

Die Thermotherapie (Wärmetherapie) dient der Durchblutungssteigerung und der Muskelentspannung. Darüber hinaus hemmt sie die Schmerzfasern.

Mit der Elektrotherapie wird durch hochfrequente Ströme in tieferen Schichten eine Erzeugung von Wärme bewirkt. Ultraschall wirkt im Sinne einer Gewebeauflockerung an den Grenzzonen zwischen zwei Gewebsschichten. Hiermit können vor allen Dingen die Insertionstendopathien, Tendinosen und Paratendinosen, welche eine Arthrose begleiten können, behandelt werden.

Für die medikamentöse Therapie steht eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung. In typischer Weise werden so genannte nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Diclofenac) zur Schmerztherapie bei Arthrose eingesetzt, da sie auch einen antientzündlichen Effekt haben und gerade bei aktivierten Arthrosen wirksam sind. Daneben werden auch Glucosaminsulfat und das Chondroitinsulfat eingesetzt, da sie natürliche Bestandteile sowohl der Gelenkflüssigkeit als auch des Gelenkknorpels sind. Von beiden Substanzen liegen klinische Studien vor, dass sie schmerzlindernd wirksam sind. Es werden sehr viele, frei verkäufliche Nahrungszusätze und pflanzliche Medikamente auf dem Markt angeboten. Hier finden sich verschiedene Substanzgruppen, wie z. B. Weidenrindenextrakte, Teufelskrallenwurzel, Eschenrinde, Zitterpappelrinde, Goldrutenkraut, Brennnessel-Blätter, Avocado- und Sojabohnenextrakte, Vitamine E, C und D, Spurenelemente, wie Zink und Mangan sowie Fischöle und Muschelpulver. Die meisten der vorbeschriebenen Stoffe sind nur durch kleine, nicht sehr gut durchgeführte Studien belegt. Daher kann für diese Medikamente keine generelle Empfehlung ausgesprochen werden.

Bei den intraartikulären Injektionen (Spritzen in das Gelenk) werden heutzutage im Wesentlichen drei verschiedene Substanzgruppen eingesetzt. Zum einen wird Kortison mit lokalem Schmerzmittel verdünnt in das Gelenk eingespritzt. Hier wirkt das Kortison vor allen Dingen gegen den Entzündungsreiz, der bei einer Arthrose vorliegt. Eine zweite Substanzgruppe sind die Hyaluronsäuren, die Bestandteil sowohl der Gelenkflüssigkeit als auch des Gelenkknorpels sind. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass neben der Gelenkschmierung durch die Zufuhr von Hyaluronsäure in das Kniegelenk auch die Eigenproduktion von Knorpelgrundsubstanz durch die Knorpelzellen selbst angeregt wird. Die schmerzlindernde Wirkung der Hyaluronsäure bei Arthrose des Kniegelenkes ist mittlerweile zweifelsfrei belegt. Ein weiteres Produkt, welches in das Kniegelenk eingespritzt wird, ist ein aus eigenem Patientenblut hergestellter Arthrosehemmstoff (Orthokin). Dieses Medikament verspricht einen sehr guten theoretischen Ansatz, wenngleich die klinischen Studien hierzu noch nicht aussagekräftig sind.

 In der Zusammenfassung stehen zur konservativen Therapie der Arthrose Kniegelenkes sehr viele Maßnahmen und Medikamente zur Verfügung. Es gibt keine einzige Therapie, die für alle Patienten zutreffend wäre. Daher muss der behandelnde Arzt zusammen mit dem Patienten einen langfristigen Plan entwickeln, welcher auf mehrere Maßnahmen zurückgreift, individuell auf den Patienten abgestimmt ist und auch am jeweiligen aktuellen Krankheitszustand des Gelenkes orientiert ist.

Wenn sämtliche konservativen, nicht operativen Maßnahmen zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenkes ausgeschöpft sind stehen verschiedene operative Maßnahmen zur Verfügung. Hier gilt heutzutage das Prinzip, dass nur die Teile des Gelenks, die auch wirklich verschlissen sind, ersetzt werden sollten. Das Kniegelenk besteht prinzipiell aus drei Teilgelenken, nämlich dem Patellofemoral-Gelenk (Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen), dem medialen Tibiofemoral-Gelenk (Gelenk zwischen Unterschenkel- und Oberschenkelknochen, innenseitig gelegen) und dem lateralen Tibiofemoral-Gelenk (Gelenk zwischen Oberschenkel- und Unterschenkelknochen, außenseitig gelegen). Je nachdem, in welcher Lokalisation die Arthrose aufgetreten ist, wie weit sie fortgeschritten ist, und auch in Abhängigkeit vom biologischen Alter des Patienten stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.

Arthroskopische Therapie der Arthrose

Arthroskopische Therapie der Arthrose

Freiliegender Knochen als
Zeichen der fortgeschrittenen
Arthrose bei der Arthroskopie
des Kniegelenks

Auch  bei  der  Arthrose  kann  die  Arthroskopie  des  Kniegelenks  eine Schmerzlinderung bewirken. Hierbei können zerstörte Meniskusteile entfernt, aufgeriebene  Knorpelteile  geglättet  und  die  entzündete  Gelenkinnenhaut entfernt  werden.  Allein  das  Ausspülen  der  Entzündungsstoffe  aus  dem Gelenk  kann  einen  deutlichen  Zeitgewinn  bis  zu  einer  größeren  Operation erzielen. Oftmals ist eine Gelenkspiegelung auch nötig, um das Ausmaß der zerstörten Areale festzustellen und dann eine der folgenden Operationen zu empfehlen. Erst wenn die in Schlüssellochtechnik durchgeführte Operation keine Schmerzlinderung mehr erzielen kann, ist ein teilweiser oder ganzer Oberflächenersatz des Kniegelenks notwendig.

Arthrose - Umstellungsoperationen

Arthrose - Umstellungsoperationen

Wenn eine Arthrose auf den innen- oder außenseitigen Gelenkspalt beschränkt ist und zusätzlich noch eine Beinachsabweichung im Sinne eines X- oder O-Beines vorliegt, kann mit der so genannten Umstellungsosteotomie eine Veränderung der Beinachse vorgenommen werden, welche schließlich zu einer Entlastung des betroffenen Gelenkanteils führt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass das Kniegelenk vollständig erhalten bleibt.

So wird z. B. bei einer X-Bein-Arthrose der innere Gelenkspalt stärker belastet und eine Begradigung der Beinachse bzw. eine Überkorrektur in eine O-Beinstellung entlastet den äußeren Gelenkspalt.

Die häufigere Form der einseitigen Arthrose ist die O-Beinarthrose (Varusgonarthrose). Hierbei ist in erster Linie der innere Gelenkspalt betroffen und es liegt eine O-Beinabweichung vor. Hier kann im Bereich des Unterschenkelkopfes eine Umstellungsosteotomie durchgeführt werden, welche dazu führt, dass anschließend die Beinachse begradigt ist oder leicht überkorrigiert in ein leichtes X-Bein. Dies führt zu einer Entlastung des inneren Gelenkspaltes und kann dem Patienten eine deutliche Schmerzlinderung erzielen. Diese Schmerzlinderung hält erfahrungsgemäß ca. 5 bis 10 Jahre an, bevor dann weitere operative Maßnahmen notwendig werden. Auch hier können durch das gezielte Einsetzen von kurzen Hautschnitten über den unter die Haut geschobenen Plattenlöchern lange Narben vermieden werden.

Die Ganzbeinstandaufnahme zeigt,
dass die Hauptbelastungslinie
vor der Operation (links) durch
den äußeren Gelenkanteil läuft und nach
der Operation (rechts, mit Platte am
Oberschenkelknochen) durch den inneren
Gelenkanteil läuft und der zerstörte,
äußere Gelenkanteil entlastet ist.
Die Röntgenaufnahme vom
Oberschenkel zeigt die sog.
zuklappende Osteotomie mit der
winkelstabilen Tomofixplatte.
Bei einer Umstellungsoperation
des Beines wird die Fixierung mittels
einer sehr rigiden Tomofixplatte
erzielt, die ca. 1 Jahr nach der
Operation wieder entfernt werden kann
Das Röntgenbild zeigt
deutlich den Spalt,
um den das Schienbein
aufgeklappt wurde, um
eine Begradigung zu erreichen

Arthrose - Teilgelenkersatz

Arthrose - Teilgelenkersatz

Wenn sämtliche konservativen, nicht operativen Maßnahmen zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenkes ausgeschöpft sind stehen verschiedene operative Maßnahmen zur Verfügung. Hier gilt heutzutage das Prinzip, dass nur die Teile des Gelenks, die auch wirklich verschlissen sind, ersetzt werden sollten. Das Kniegelenk besteht prinzipiell aus drei Teilgelenken, nämlich dem Kniescheibengelenk (Patellofemoralgelenk, Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen), dem inneren Gelenkanteil (mediales Tibiofemoral-Gelenk, Gelenk zwischen Unterschenkel- und Oberschenkelknochen, innenseitig gelegen) und dem äußeren Gelenkanteil (laterales Tibiofemoral-Gelenk, Gelenk zwischen Oberschenkel- und Unterschenkelknochen, außenseitig gelegen). Je nachdem, in welcher Lokalisation die Arthrose aufgetreten ist, wie weit sie fortgeschritten ist, und auch in Abhängigkeit vom biologischen Alter des Patienten stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. 

Die Röntgenbilder zeigen die verschiedenen Teilgelenkersätze am Kniegelenk: links ist eine Schlittenprothese zu sehen, die nur einen
von drei Teilen ersetzt und alle Bänder des Kniegelenks erhält. 2. v. links: reiner Ersatz des Kniescheibengelenks; 3. v. links: 2/3-Prothese,
die den inneren Anteil und das Kniescheibengelenk ersetzt und den äußeren Anteil und alle Bändern erhält; 4. v. links: der Oberflächenersatz
es Kniegelenks ersetzt alle drei Gelenkanteile und erhält die Seitenbänder; rechts: die Scharnierprothese kann alle drei Gelenkanteile und
alle Bänder des Kniegelenks ersetzen

Teilgelenkersatz - Hemi Cap

Teilgelenkersatz - Hemi Cap

Bei alleinigen Knorpelschäden im höheren Alter kann dieser durch ein speziell für das Kniegelenk geformtes, sehr kleines Implantat behandelt werden. Hierbei ist der Hautschnitt nur ca. 5cm lang und das Implantat ersetzt ausschließlich das kleine Areal zerstörten Knorpels.

Die HemiCap-Prothese ersetzt nur
einen kleinen Teil der Gelenkfläche
und wird durch sehr kleine
Hautschnitte in das Gelenk implantiert.
Die Hemi Cap Prothese
im Röntgenbild von vorne
Die Hemi Cap Prothese
im seitlichen Röntgenbild

Teilgelenkersatz - Schlittenprothese

Teilgelenkersatz - Schlittenprothese

Die Indikation für eine unikompartimentelle Schlittenprothese beinhaltet ebenfalls die Varus- bzw. Valgusgonarthrose (X- oder O-Beinarthrose), welche auf den inneren oder äußeren Gelenkspalt beschränkt ist. Diese Operation wird am häufigsten bei einer O-Beinarthrose und dem Verschleiß des inneren Gelenkspaltes durchgeführt. Hierbei wird über eine 7 cm bis 10 cm lange Hautinzision (minimal-invasive Operation) ausschließlich der innere Gelenkanteil ausgetauscht.

In unserem Hause kommt hier das Prothesenmodell Typ Oxford zur Verwendung, welches aus einer polierten Platte im Bereich des Unterschenkels besteht, einer schlittenähnlichen Kufe im Bereich des Oberschenkels (daher der Begriff Schlittenprothese). Zwischen diesen beiden Gelenkpartnern wird ein bewegliches Kunststoffinlay (Polyäthylen) eingelegt, welches sich mobil bewegen kann und die Funktion des natürlichen Meniskus nachahmt. Diese Operation kann nur durchgeführt werden, wenn sämtliche Bänder des Kniegelenkes erhalten sind und auch die Arthrose in den anderen beiden Gelenkanteilen (hinter der Kniescheibe, äußerer Gelenkspalt) noch nicht weit fortgeschritten ist.

Der alleinige Verschleiß des äußeren Gelenkspalts ist sehr selten. Er tritt z.B. bei starken X-Bein-Fehlstellungen, nach Unfällen mit Bruch des Knochens im äußeren Gelenkteil und vor allem nach der Entfernung des Außenmeniskus im jungen Alter auf.

In diesem Fall kann dann eine sog. laterale Schlittenprothese implantiert werden. Hier wird ausschließlich der äußere Gelenkspalt ausgetauscht und alle anderen Teile des Gelenks inklusive der Kreuzbänder erhalten.

Die sehr häufig durchgeführte
Schlittenprothese am inneren
Gelenkanteil erhält alle Bänder des
Kniegelenks und fühlt sich für den
Patienten daher fast wie das eigene
Kniegelenk an
Mediale Schlittenprothese
im seitlichen Röntgenbild
Die Schlittenprothese am
äußeren Gelenkanteil ist
deutlich seltener als
die innere, bringt dem
Patienten aber ebenfalls eine
gesicherte Schmerzfreiheit
Laterale Schlittenprothese im
seitlichen Röntgenbild

Teilgelenkersatz - Kniescheibengelenk

Teilgelenkersatz - Kniescheibengelenk

Bei einem ausschließlichen Verschleiß des Gelenks zwischen der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen (Patellofemoralgelenk) kann nach Ausschluss anderer Schmerzursachen auch der reine Ersatz dieses einen Gelenkanteils erfolgen. Hierbei werden alle Bänder und die inneren und äußeren Kniegelenksanteile erhalten. Falls diese Prothese einmal gewechselt werden muss, erfolgt hiernach die Implantation einer normalen, ersten Knietotalendoprothese. 

Der reine Ersatz des
Kniescheibengelenks ist eine
Möglichkeit, die Arthroseschmerzen
der Kniescheibe zu behandeln, ohne das
eigentliche Gelenk zwischen Ober- und
Unterschenkel auszutauschen
Das Bild zeigt den Blick
hinter die ersetzte Kniescheibe

Teilgelenkersatz - 2/3 Prothese

Teilgelenkersatz - 2/3 Prothese

Wenn ausschließlich der innere Gelenkanteil und der Anteil hinter der Kniescheibe von der Arthrose befallen sind, so kann die sog. 2/3-Prothese eine gute Lösung sein. Hierbei wird der äußere Gelenkanteil erhalten, aber auch die beiden Kreuzbänder. Dies bedeutet, dass die Bewegung des Kniegelenks nahezu ursprünglich erhalten bleibt und die Patienten ein normales Empfinden für ihr Gelenk beschreiben.

Eine Häufige Kombination
ist der Verschleiß des inneren
Gelenkanteiles sowie im
Bereich des Kniescheibengelenkes
Die Schemazeichnungen zeigen
das Prinzip der 2/3-Prothese: Erhalt
aller Bänder und des äußeren
Gelenkanteils, Ersetzen des inneren
Anteils und des Kniescheibengelenkes
Vorderansicht der 2/3-Prothese
im Röntgenbild
Seitansicht der 2/3-Prothese
im Röntgenbild
Tangentialansicht der 2/3-Prothese
im Röntgenbild

Oberflächenersatz des Kniegelenkes (Knieprothese)

Oberflächenersatz des Kniegelenkes (Knieprothese)

Der Oberflächenersatz des
Kniegelenks ist die Prothese,
die am häufigsten verwendet
wird. Hierbei werden alle drei Teile
ausgetauscht und nur die Seitenbänder
erhalten
Tangentiales Röntgenbild
eines Oberflächenersatzes
Die Abbildung zeigt im
Röntgenbild, dass hiermit auch die
alte Beweglichkeit des Kniegelenks
erhalten werden kann
Bei der minimal-invasiven
Operationstechnik werden zum
einen die
Hautschnitte kürzer. Vor
allem werden aber die Muskeln
bei dieser Operation geschont
Dies kann durch verkleinerte
Instrumente erzielt werden,
wie im Bild dargestellt

Wenn die Arthrose des Kniegelenkes bereits mindestens 2 oder alle 3 Gelenkanteile des Kniegelenks umfasst, so kommt prinzipiell nur noch die Implantation einer totalen Kniegelenksprothese in Betracht. Hierbei wird über einen ca. 15 cm bis 20 cm langen Hautschnitt in einer ca. 50- bis 90-minütigen Operation der Ersatz der gesamten Gelenkoberflächen durchgeführt. Die heute gebräuchlichen Prothesen ersetzen nur noch den zerstörten knorpeligen Gelenkanteil und belassen weitestgehend die natürlichen Bänder des Kniegelenkes. Ähnlich wie bei der Schlittenprothese erfolgt hier die Befestigung der Unterschenkelkomponente mittels Zement. Die Verankerung mit Zement ist im Bereich der Knieendoprothetik der zementfreien Verankerung in Sachen Haltbarkeit weit überlegen. Insbesondere die Unterschenkelkomponenten zeigen in Langzeitstudien eine bessere Haltbarkeit als zementfreie Prothesen. Auch im Fall eines Prothesenwechsels zeigt die Zementierung Vorteile, da die Komponenten ohne größere Knochenverluste, wie sie häufig bei zementfreien Prothesen auftreten, ausgebaut werden können.

Anschließend wird hierauf ein Kunststoffeinsatz aufgebracht (Polyäthylen). Die Oberfläche des Oberschenkelknochens wird ebenfalls durch eine metallische Komponente ersetzt. Hier kommt in unserem Hause eine spezielle Keramikoberflächenbeschichtung zum Einsatz, welche im Vergleich zu den klassischen Prothesen nur noch zu geringem Abrieb und damit einer längeren Haltbarkeit führt (Oxinium). Daneben bietet diese Prothese durch das spezielle Design die Möglichkeit einer tiefen Beugung bis zu 150° und ist durch eine enorme Großenvariabilität auf die Bedürfnisse von Männern und Frauen gleichermaßen ausgerichtet. Diese Operation führt zu einer enormen Schmerzlinderung des Patienten und ermöglicht es ihm, wieder schmerzfrei gehen zu können. Der Aufenthalt im Krankenhaus beträgt typischerweise 10 bis 14 Tage, anschließend erfolgt bei den meisten Patienten eine Rehabilitation in einem weiteren 3-wöchigen Aufenthalt.

» Im nächsten Abschnitt finden Sie ein Video zur Knie-OP
 

Minimal-invasive Chirurgie bei Arthrose des Kniegelenks
Schon Anfang der 1990er Jahre wurden minimal invasive Zugänge bei der Implantation von Schlittenprothesen durch John Repicci aus den USA propagiert (minimal invasive surgery – MIS). Für den Patienten liegt der sichtbare Vorteil dieser Methode im verkürzten Hautschnitt. Der wesentliche Faktor liegt für den Operateur allerdings in der Schonung der Muskulatur, die das Kniegelenk umgibt. Diese Technik schont den Streckapparat des Kniegelenkes und erlaubt den Patienten somit eine frühere Rehabilitation.

Die Ursache für die Erfolge der minimal invasiven Prothetik liegt zum einen in der Operationstechnik und zum anderen im verkleinerten Instrumentarium. Dieses wurde schließlich auch für totale Knieprothesen von verschiedenen Industriepartnern überarbeitet.

Die Implantation eines totalen Kniegelenks benötigt üblicherweise einen Hautschnitt von ca. 15-20cm Länge und eine operativen Zugang, bei dem ein Teil der Oberschenkelstreckmuskulatur zunächst abgetrennt und anschließend wieder angenäht werden muss. Die neue, minimal-invasive Operationsmethode benötigt nur noch einen Hautschnitt von ca. 9-12cm Länge und verzichtet auf die Abtrennung der Muskulatur. Dies wird insbesondere durch verkleinerte Instrumente bewirkt. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass die Patienten damit schneller wieder mobil werden und dass die für die Langlebigkeit der Prothese wichtige Ausrichtung nicht negativ beeinträchtigt wird. Auf lange Sicht zeigen konventionell und minimal-invasiv operierte Patienten die gleichen, guten Ergebnisse.

Die neue VISIONAIRE Technologie – für ein künstliches Kniegelenk nach Maß
Prof. Tibesku führte europaweit erstmalig im Jahr 2009 die neue „Visionaire“-Technologie ein. Zunächst führte er persönlich eine experimentelle Studie im Labor zur Sicherheit und Genauigkeit der Methode durch, bevor er die Technologie am Patienten anwendete. Inzwischen wurde diese Technik in der Klinik St. Wolfgang in Bad Griesbach als Teil der Routineversorgung eingeführt.

 Im Film wird die Methode in der Anwendung im Operationssaal gezeigt (Film folgt).

Jedes Kniegelenk ist anders
Naturgemäß ist jedes Kniegelenk anders: Seine Anatomie, seine Knochenqualität und sein Krankheitsbild bestimmen die individuelle Versorgung mit einem Kunstgelenk, der „Endoprothese“.

Der medizinisch-technische Fortschritt der vergangenen Jahre hat zur Entwicklung differenzierter Endoprothesenmodelle geführt, die stärker auf individuelle Krankheitsbilder eingehen und Lösungen  für seltenere, z.B. lokale Arthroseschäden am Knie bieten können. Bei so vielen Versorgungsoptionen ist die vorbereitende Planung des Eingriffs durch den Operateur ein wichtiger Erfolgs-Faktor: Wie sind die anatomischen Verhältnisse? Welches Implantat ist „das richtige“? Welche Implantatgröße ist die passende? Bisher plant der Operateur den Eingriff anhand eines herkömmlichen Röntgenbilds und mit Hilfe von so genannten „Röntgenschablonen“, die er vom Implantat-Hersteller erhält: Sie werden auf das Röntgenbild ausgerichtet, so dass der Arzt aufgrund seiner Erfahrung die passende Implantatgröße abschätzen kann. Die endgültige Festlegung auf Implantatmodell und Größe erfolgt jedoch meist während der Operation. Dort erst sieht der Operateur den genauen Zustand des Knies. Danach erfolgt die Anpassung des Implantats an die Anatomie des Patienten mit Hilfe einer Reihe von speziellen Instrumentarien.

VISIONAIRE: Buchstäblich auf den Patienten zugeschnitten
Für die Planung vor dem Eingriff erhält der Operateur mit der neuen VISIONAIRE Technologie eine wertvolle Unterstützung. Sie gibt dem Operateur im Vorfeld wichtige Zusatzinformationen, ermöglicht eine noch präzisere Planung des Eingriffs und reduziert während der Operation die Belastungen für die Patienten. Neben einer Ganzbein-Röntgenaufnahme im Stand wird für VISIONAIRE zusätzlich eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) des Kniegelenks benötigt. Wie das Röntgen zählt die MRT zu den „bildgebenden Verfahren“. Ohne Strahlenbelastung, sondern unter Nutzung von Magnetfeldern und Radiowellen wird das Knie digital in Schichtaufnahmen abgebildet. Die Aufnahmen ermöglichen die präoperative Berechnung der mechanischen Beinachsen und eine präzise dreidimensionale Darstellung der individuellen Patientenanatomie. Beides ist für die korrekte Platzierung eines Implantats sehr wichtig. So sind mit Hilfe dieser Aufnahmen z.B. so genannte „Osteophyten“ im Vorfeld des Eingriffs zu erkennen, die ein wesentlicher Bestandteil der individuellen Knieanatomie sind. Osteophyten sind Knochenneubildungen, mit denen der Körper vergeblich versucht, die Auflagefläche des verschlissenen Gelenks zu verbreitern und den Auflagedruck zu mindern. Während diese Wucherungen bei dem herkömmlichen Vorgehen erst während der Operation vollständig erfasst werden können, werden sie mit Hilfe der VISIONAIRE-Technologie bereits im Vorfeld der Operation wahrgenommen und eingeplant. Auf Basis der individuellen Röntgen- und MRT-Aufnahmen werden Schnitt-Schablonen aus medizinischem Nylon-Kunststoffhergestellt, die genau an die individuelle Knieanatomie des jeweiligen Patienten angepasst sind.

Ein Großteil der Anpassung des Implantats an den Knochen findet also vor und nicht während der Operation statt. So kann der Operateur mit Hilfe dieser Schablonen das Knie für die Implantation vorbereiten und das Kunstgelenk präzise an den Beinachsen ausrichten. Das Ergebnis: Das ausgewählte Implantatmodell sitzt wie angegossen.

Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand
Durch die exakte Bestimmung der Anatomie ist ein noch besseres Operationsergebnis und eine längere Haltbarkeit des Kniegelenks zu erwarten, denn die exakte Ausrichtung an den Beinachsen sorgt für ein natürliches Bewegungsgefühl, eine korrekte Beinlänge und eine gleichmäßige Belastung des Kunstgelenks. Bei Verwendung der VISIONAIRE Technologie können viele, bisher mit Standard-Instrumenten notwendige Operationsschritte wegfallen, da die individuellen VISIONAIRE-Schablonen den Instrumentenbedarf deutlich verringern. Das verkürzt die Dauer der Operation auf patientenschonende Weise: Der Patient benötigt weniger Narkosemittel und verliert weniger Blut, auch die intraoperative Infektionsgefahr verringert sich. Außerdem kann durch die wegfallenden OP-Schritte gewebeschonender operiert werden, das Komplikationsrisiko wie z.B. Fettembolien verringert sich.

Der Operateur hat immer das letzte Wort
Die VISIONAIRE Technologie unterstützt den Operateur, kann seine Erfahrung aber niemals ersetzen. Bei der Fertigung der individuellen Schablonen und während des Eingriffs hat der Arzt immer das letzte Wort: Gerade bei schwierigen anatomischen Verhältnissen und bei unvorhergesehenen Fällen muss er die Möglichkeit haben flexibel zu reagieren.

Vorteile der VISIONAIRE Technologie für den Patienten:
• Verbesserung des Operationsergebnisses
• Erhöhung der Langlebigkeit des künstlichen Gelenkes
• Patienten- und gewebeschonendes Operationsverfahren
• Minimierung der allgemeinen Operationsrisiken
• Verkürzung der Operationszeit
• Reduktion der Narkosemedikamente
• Verringerung des Blutverlusts während der Operation

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