• Priv.-Doz. Dr. Stefan Fickert (SR/R)
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Alternativen zum künstlichen Hüftgelenk - Hüftgelenkspiegelung/Hüftarthroskopie

Für viele Gelenke, wie zum Beispiel das Knie- und Schultergelenk, gehört die Arthroskopie oder Gelenkspiegelung seit Jahrzehnten zu den orthopädischen Standardoperationen. Das Hüftgelenk ist aufgrund der umgebenden Muskulatur und der Kugelform im Gegensatz zum Knie- und Schultergelenk jedoch wesentlich schwieriger zugängig. Durch die Entwicklung geeigneter Instrumente und Verbesserung der Technik mit speziellen Traktionsvorrichtungen ist die Spiegelung des Hüftgelenkes sicherere geworden und wird daher in den letzten Jahren immer häufiger zum Wohl der Patienten eingesetzt.

Wann ist die Spiegelung des Hüftgelenkes indiziert?
Eine Gelenkspiegelung des Hüftgelenkes ermöglicht minimal-invasiv Erkrankungen des Hüftgelenkes zu diagnostizieren und zu therapieren. Eine Hüftgelenksspiegelung kann bei folgenden Erkrankungen eingesetzt werden:

Störungen des Kopf- Schenkelhalsübergangs oder des Pfannenrandes sogenanntes Femoroacetabuläres Impingement?
Das Impingement Syndrom ist eine anatomische Variante des Hüftkopfes oder des Pfannendachs. Bei bestimmten Bewegungen Hüftkopf (v. a. starker Beugung)  kann der an das Pfannendach anschlagen, was Schmerzen verursacht. Die Kontur des Kopf- Schenkelhalsübergang bzw. des Pfannenrandes wird mit Fräsen unter arthroskopischer Kontrolle wiederhergestellt.

Läsion der Hüftgelenkslippe sog. Labrumläsion?
Knochenauflagerungen am Rand des Hüftkopfes, wie sie bei bestimmten Hüftformen vorkommen, können das Labrum schädigen und im frühen Alter Schmerzen und eine schnelle Abnutzung des Knorpels auslösen. Der Labrumschaden führt zu einschiessenden Leistenschmerzen. Arthroskopisch kann das Labrum wiederhergestellt werden, manchmal ist nur noch die Entfernung möglich.

Knorpelverletzungen
Unfälle oder das femoroacetabulären Impingement können lokalisierte Knorpelverletzungen verursachen. Unbehandelt führen diese Knorpelschäden meistens zu einer Arthrose. Im Rahmen der Arthroskopie kann der Knorpeldefekt behoben werden, indem die Bildung von Ersatzgewebe angeregt wird oder eine Knorpeltransplantation durchgeführt wird.

Freie Gelenkkörper
Bestimmte Erkrankungsbilder an der Hüfte sind mit einer Vielzahl von freien Gelenkkörpern assoziiert. Die Arthroskopie ist bestens geeignet die freien Gelenkkörper zu entfernen.

Hüftgelenksinfektionen
Infektionen können mittels Arthroskopie minimal- invasiv gespült werden, Antibiotikaträger können eingebracht werden und die Gelenkschleimhaut im gleichen Eingriff entfernt werden.

Tendinitis der Psoassehne
Ein schmerzhaftes Schnappen der Psoassehne kann chronifizieren und zu einer Entzündung der Sehne führen. Arthroskopisch kann die Sehne durchtrennt werden.

Alternativverfahren: Wann ist ein offenes Verfahren sinnvoll?
Voraussetzung für eine Spiegelung ist ein auf dem Röntgenbild noch erhaltener Gelenkspalt. Andernfalls ist die Arthrose zu weit fortgeschritten, um die Therapieziele wie Schmerzfreiheit bzw. Schmerzreduktion zu erreichen. Auch bei starkem Übergewicht oder fortgeschrittener Bewegungseinschränkung sollte offen operiert werden.

Bei bestimmten Pfannenformen (tiefe Pfannen) oder einer Kombination aus Labrumläsion und Störung des Kopf-Hals-Übergangs sowie des Pfannenrands ist eine offene Operation sinnvoller. Die Entscheidung über das therapeutische Vorgehen wird im Rahmen der Vorstellung getroffen und ausführlich mit dem Patienten besprochen.

Wie wird die Arthroskopie des Hüftgelenkes durchgeführt?
Grundvoraussetzung ist das Vorhandensein eines Extensionstisches mit allen Polsterungen, eines Bildwandlers und einer modernen Arthroskopieeinrichtung. Der Patient wird auf dem Rücken gelagert. Meistens wird durch 2-4 kleine Schnitte eine Optik in das Gelenk eingebracht.

Es müssen zwei Gelenkbereiche untersucht und behandelt werden:

  • Zentraler Bereich zwischen Kopf und Pfanne
  • Peripherer Bereich am Schenkelhals außerhalb der Pfanne

Der zentrale Bereich kann nur unter Zug (Traktion) am Bein angegangen werden. Der periphere Bereich wird am frei beweglichen Bein untersucht. Der Eingriff ist weniger belastend als die offene Operation.

Wie erfolgt die postoperative Nachbehandlung?
In der Regel beträgt der stationäre Aufenthalt etwa 4-5 Tage. Die Dauer der Teilbelastung an Unterarmgehstützen ist abhängig vom Ausmaß der Knochenentfernung am Schenkelhals, von der Therapie des Knorpelschadens und der Gelenklippe. Eine intensive physiotherapeutische Rehabilitation hilft einen optimalen Bewegungsumfang zu erreichen.

Zusammenfassend erlaubt die Hüftarthroskopie über minimal-invasive Zugänge viele krankhafte Zustände am Hüftgelenk zu behandeln. Die hohen apparativen und instrumentellen Voraussetzungen beschränken dieses Verfahren auf Zentren. Dennoch bedarf es nicht nur von Seiten des Operateurs sondern des gesamten Teams einer großen Routine und Erfahrung.

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