• Prof. Dr. Peter Angele (SR/R)
  • Dr.  Heinz-Jürgen Eichhorn (SR/R)
  • Prof. Dr. Michael J. Strobel (SR/MUC)
  • Dr. Frank Schneider (BER)
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Fachbereiche | Knie | Patella

Patella - die Kniescheibe

Patella - die Kniescheibe

Allgemein
Erkrankungen des Kniescheibengelenkes (Patellofemoralgelenk) sind in erster Linie die patellofemorale Instabilität (Kniescheibenverrenkung) sowie Verschleißerscheinungen dieses Gelenkes (Arthrose). Schmerzen im Bereich der Kniescheibe können jedoch auch „knieferne“ Ursachen haben und z.B. mit Erkrankungen der Hüftgelenke oder der Wirbelsäule assoziiert sein.

In den letzten Jahren ist das Kniescheibengelenk zunehmend wissenschaftlich erforscht worden. Dieser enorme Wissenszuwachs bestimmt die neuesten Therapie- und Operationsmethoden wie z.B. die Trochleaplastik oder die anatomische Rekonstruktion des Ligamentum patellofemorale mediale (MPFL-Rekonstruktion), zu deren Entwicklung auch unsere eigene wissenschaftliche Tätigkeit beigetragen hat.

Durch eine sorgfältige Untersuchung des Kniescheibengelenkes lassen sich schon bereits eine Vielzahl von Erkrankungen diagnostizieren. Meist sind hier jedoch bildgebende Verfahren wie Röntgen und eine spezifische Kernspintomographie ergänzend notwendig.

Bei einigen Diagnosen ist oft erst eine konservative Therapie z.B. in Form von Physiotherapie sinnvoll.

Bei akuten Verletzungen oder Beschwerden, die sich über einen längeren Zeitraum nicht behandeln lassen ist häufig jedoch eine Operation zu empfehlen. Zur operativen Behandlung steht in großes Spektrum an modernen Therapieverfahren zur Verfügung. Für das Kniescheibengelenk können arthroskopische (minimal-invasive / Schlüsselloch-Chirurgie)  oder offene Operationstechniken - oft auch in Kombination - eingesetzt werden.

Operationen am sensiblen Kniescheibengelenk erfordern in der Phase der Rehabilitation eine qualifizierte Nachbehandlung unter ärztlicher Aufsicht.

Die Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung)

Die Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung)

Bei der Instabilität des Kniescheibengelenkes unterscheidet man die akute oder chronisch rezidivierende Patellaluxation, die meist konsitutionell (angeboren) bedingt ist.

Jüngere biomechanische Studien haben gezeigt, dass für eine Patellaluxation häufig mehrere begünstigende anatomische Faktoren – sog. „Risikofaktoren“ – vorliegen, die in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind. Diese Risikofaktoren müssen in jedem einzelnen Fall individuell analysiert werden, damit die richtige Therapie eingeleitet werden kann.

Kommt es mit oder ohne Risikofaktoren zu einer Patellaluxation, so reißt in fast allen Fällen ein Band (Lig. patellofemorale mediale), das die Patella stabilisiert. Aufgrund dieses Schadens kann die Kniescheibe ohne weiteren Unfall im weiteren Verlauf wiederholt spontan herausspringen. Folge hiervon ist häufig neben einer Unsicherheit im Alltag, ein deutlich eingeschränktes Aktivitätsniveau sowie oftmals der vorzeitige Verschleiß des Gelenkknorpels und die Arthrose.

Behandlung

In einigen Fällen kann eine konservative Therapie (spezielle Krankengymnastik und Knie-Orthese) erfolgreich durchgeführt werden.

Aufgrund der strukturellen Schädigung des Halteapparates der Kniescheibe sowie der gelegentlich vorkommenden Abscherfrakturen des Knochens und Knorpels ist eine konservative Therapie jedoch insbesondere bei der habituellen Patellaluxation und jungem Patientenalter oftmals nicht ausreichend.

Bei der akuten Patellaluxation sollte in der Regel der ausgerissene Halteapparat wieder refixiert werden. Dies erfolgt meist arthroskopisch mit speziellen Nähten (modifizierte Yamamoto-Technik). Findet sich in der Arthroskopie ein Knochen-Knorpelfragment (Abscherfraktur) im Gelenk, so sollte dieses - je nach Größe und Beschaffenheit - wieder refixiert werden, um die Gelenkkongruenz zu erhalten und Folgeschäden zu verhindern. Dies erfolgt oftmals in einer minimal-invasiven offenen Vorgehensweise.

Bei der chronisch rezidivierenden Patellaluxation ist oft eine alleinige Naht des Kniescheibenhalteapparates nicht ausreichend. Hier ist die genaue Analyse der individuellen Risikofaktoren notwenig, nach deren Ausprägung sich die operative Therapie richtet. Die Palette der Operationsmethoden ist vielfältig und reicht von einer minimal-invasiven anatomischen Rekonstruktion des medialen Haltebandes (Ligamentum patellofemorale mediale) mit einer Sehnenplastik bis hin zur Neugestaltung des Kniescheibengleitlagers (sog. Trochleaplastik). Häufig müssen mehrere Verfahren kombiniert werden.

In vielen Fällen ist die anatomische Rekonstruktion des medialen Halteapparates (Lig. patellofemorale mediale), die sog. MPFL-Rekonstruktion möglich. Hier wird - nach arthroskopischer Gelenkinspektion - eine körpereigene Sehne von der Rückseite des Oberschenkels (Gracilissehne) exakt anatomisch an die Insertionsbereiche des Lig. patellofemorale mediale transplantiert. Diese Operation kann minimal invasiv über Mini-Inzisionen durchgeführt werden. Die Erholungszeit ist verglichen mit alternativen Operationstechniken deutlich verkürzt.

Bei einer hochgradigen Trochleadysplasie reichen oftmals minmal- oder gering-invasive Operationtechniken nicht aus. Hier kann eine Trochleaplastik erforderlich sein, bei der das Kniescheibengleitlager (Trochlea) neu gestaltet wird. Bei dieser Operation ist eine Gelenkeröffnung notwendig, es können jedoch mehrere Risikofaktoren gleichzeitig korrigiert werden.

Oftmals ist es auch notwendig mehrere Operationsverfahren miteinander zu kombinieren. Dies gilt häufig auch für Patienten die schon voroperiert sind und noch weiterhin Beschwerden haben.

Ist es im Laufe der Jahre zu einem Verschleiß des Kniescheibengelenkes gekommen, so ist es bereits möglich das Kniescheibengleitlager und/oder die Kniescheibenrückfläche künstlich zu ersetzen. Hierzu werden spezielle Oberflächenersatzprothesen eingesetzt (z.B. Trochleashield).

Nach Operationen an der Kniescheibe ist eine spezielle, qualifizierte krankengymnastische Übungsbehandlung von immenser Wichtigkeit, da das Kniescheibengelenk ein sehr empfindlicher Teil des Kniegelenkes ist.

Patellaschmerz - vorderes Knieschmerzsyndrom

Patellaschmerz - vorderes Knieschmerzsyndrom

Schmerzen im vorderen Kniebereich können vielerlei Ursachen haben. Nicht immer liegen diese Ursachen im Bereich des Kniegelenkes. Oftmals liegt ein statisches Problem im Bereich der Muskulatur, des Rückens-, des Hüftgelenkes oder der Füße zugrunde.

„Knieferne“ Ursachen führen Häufig zu statischen Fehlstellungen mit Folge einer abnormen Muskelspannung. Hier kommt es im Bereich der Sehnenansätze oftmals zu quälenden Schmerzen.

So kann ein chronischer Rückenschmerz  - z.B. bei einer Wirbelsäulenerkrankung - zu einer statischen Fehlhaltung führen, welche sich in bestimmten Situationen am Kniegelenk bemerkbar macht und die Patienten aufgrund von Knieschmerzen den Arzt aufsuchen.

Ebenso können Veränderungen der Hüftgelenke eine Fehlstellung mit entsprechener Tonuserhöhung der Oberschenkelmuskulatur verursachen. Die Schmerzen manifestieren sich primär oftmals am Kniegelenk und nicht im Bereich der Hüfte, weshalb die Ursache oftmals erst sehr spät oder gar nicht erkannt wird (siehe auch Hüfte\femoroacetabuläres Impingement).

Genauso können jedoch auch „Knie-interne“ Ursachen vorliegen. So ist bei abweichender Anatomie des Kniescheibengleitlagers und der damit veränderten  Kniescheibenführung häufig ein vorderes Knieschmerzsyndrom  zu beobachten. Ebenso können degenerative / verschleißbedingte Ursachen vorliegen oder ausgeprägte Vernarbungen bei stattgehabten Operationen oder Verletzungen in der Vorgeschichte.

Viele dieser Faktoren können auch in in unterschiedlicher Ausprägung gleichzeitig vorliegen. Eine genaue Analyse im Rahmen einer genauen körperlichen Untersuchung ist daher von entscheidender Wichtigkeit. Eine ergänzende Bildgebung ist oft erforderlich.

Behandlung
Die Therapie des vorderen Knieschmerzsyndromes erfolgt häufig konservativ. In erster Linie ist eine spezifische Physiotherapie mit einem auf des individuelle Riskofaktorprofil abgestimmten Trainingsplan zu nennen. Wichtig hier ist die Wahl einer entsprechend ausgebildeten und qualifizierten Physiotherapieeinrichtung, die das komplexe Krankheitsbild beerrscht.

Auch spezielle Bandagen oder Bandagierungstechniken (Tape-Technik) können die Kniescheibenführung positiv beeinflussen.

Bei frustraner konservativer Behandlung ist in einigen Fällen eine operative Therapie erfolgsversprechend. Diese reicht von Eingriffen am Kniegelenk bis hin zu arthroskopischen Hüftgelenkoperationen. Jedoch ist auch hiernach eine hochqualifizierte Physiotherapie erforderlich. 

Arthrose des Kniescheibengelenkes

Arthrose des Kniescheibengelenkes

Verschleißerscheinunges des Kniescheibengleitlagers und der Kniescheibenrückfläche sind äußerst schwierig zu behandeln.

Liegen lokale Knorpelschädigungen (z.B. nach einer Verletzung / Unfall) bei jüngeren Patienten vor, so können oft moderne biologische, gelenkerhaltende Verfahren eingesetzt werden. In erster Linie ist hier die autologe Knorpelzelltransplantation zu nennen, mit der zirkumskripte Knorpeldefekte gut behandelt werden können.

Bei altersbedingten Verschleißerscheinungen steht zunächst die Optimierung der konservativen Therapie im Vordergrund. Insbesondere spezifische physiotherapeutische Übungen zur Aufdehnung entsprechender Muskelgruppen sowie Verhaltensmaßnahmen in Belastungssituationen.

Bei weiterhin bestehenden Beschwerden können minimal-invasive bzw. kleinere operative Maßnahmen die Beschwerden lindern. So kann z.B. im Rahmen einer Gelenkspiegelung bei einer isolierten lateralen Patellafacettenarthrose eine selektive Banddurchtrennung helfen, die Beschwerden  zu lindern (sog. laterales Release). Ebenso können störende Knochenanbauten beseitigt werden und das entzündlich veränderte schmerzempfindliche Gewebe gezielt verödet werden.

Findet sich im Bereich des patellofemoralen Gleitlagers isoliert ein starker Gelenkverschleiß, so ist es neuerdings möglich, einen selektiven Oberflächenersatz des Kniescheibengleitlagers (sog. Trochleashield) durchzuführen. Dies kann mit oder ohne Oberflächenersatz der Kniescheibenrückseite erfolgen. Ebenso können kleinere Defekte mit einem selektiven Oberflächenersatz gedeckt werden (Hemicap).

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